Rezension zu „Die Nacht im Zauberwald“ von Eveline Hasler und Käthi Bhend, erschienen 2006 im NordSüd Verlag

 

 

 „Die Nacht im Zauberwald“ erzählt eine alte Legende aus der südlichen Schweiz nach, in der es um Zwillingsbrüder mit völlig konträren Charakteren geht: der eine hilfsbereit, tier- und naturliebend, der andere barsch, kalt und rücksichtslos. Allerdings haben beide eine körperliche Beeinträchtigung. Als der Winter kommt, ist es nötig, eine Almhütte winterfest zu machen und den beschwerlichen Aufstieg nimmt der freundliche der beiden Brüder auf sich. Er ist in dieser Zeit eins mit der Natur und begegnet Flora und Fauna mit Respekt – wofür er von Zauberwesen mit Genesung belohnt wird. Diese Belohnung will der Rücksichtslose natürlich auch und macht sich ebenfalls auf den Weg durch den Wald, jedoch auf seine Art. Natürlich bleibt die Belohnung aus. Erst da erkennt dieser die Zusammenhänge und beschließt, den Weg nochmals zu gehen.

 

Dieses Buch besticht durch seine Kombination aus kurzen, aussagekräftigen Sätzen und einer Illustration, an die man sich von Seite zu Seite herantasten muss wie der hilfsbereite und sanftmütige Leo sich durch den Wald tastet, als er sich auf den Weg zur Alm macht. Von Doppelseite zu Doppelseite wechselt die Illustration von schwarz-weiß zu farbig, wobei auch die farbigen Seiten so dezent  gehalten sind, dass die Farben völlig unaufdringlich wirken. So gelingt der Blick auf die Einzelheiten, auf die versteckten Zauberwesen viel besser und man erkennt viel eher, dass es sich bei jeder Zeichnung um ein wahres Kunstwerk handelt. Als Leo für seine rücksichtsvolle Art, mit der Natur umzugehen, von den Zauberwesen des Waldes von seinem Buckel erlöst wird, möchte man ihm zurufen, wie man sich mit ihm freut, so sehr ist er einem auf wenigen Seiten ans Herz gewachsen. Bei der Beschreibung der Wanderung des schlechtgelaunten und rücksichtslosen Meo, der seine Belohnung -die Genesung- abgreifen will, stellt sich ein Gefühl ein, als ob man schützend die Hand auf Tiere und Pflanzen legen will, um sie vor Meos` Rohheit zu bewahren. Das Ende stimmt versöhnlich: Meo, bestraft statt belohnt durch eine Verschlimmerung seines körperlichen Leidens, erkennt, dass er ein besserer Mensch werden muss, um von den Zauberwesen belohnt werden zu können und es ist fast bedauerlich, dass man als Leser nicht mehr erfährt, ob es ihm gelingt.

Es ist ein besonderes Buch und gehört zu denjenigen, die man immer wieder und wieder lesen sollte, um sich hineinzufinden und die Feinheiten der Sprache und der Bilder wirken zu lassen.(M.R.)

 

Eveline Hasler, Käthi Blend: Die Nacht im Zauberwald

NordSüd, 3.überarbeitete Auflage 2021

36 Seiten, für Kinder ab 5 Jahren

ISBN 978-3-314-00580-7

Bildquelle: ©NordSüd Verlag

 

Ich danke dem NordSüd Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar!