"Ginpuin"

von Barbara van den Speulhof

 

Wie im Paradies -  so lebt es sich auf der Pinguininsel für die watschelnden Gesellen. Sie führen ein unbeschwertes Leben mit Übers-Eis-Rutschen, Fischfang und sich in der Kälte wohlfühlen. Auch der kleine Protagonist genießt dieses vergnügte Dasein und freut sich, mit den anderen gemeinsam Tag für Tag diese schönen Dinge erleben zu können. Bis auf einmal auffällt, dass der kleine Pinguin anders ist als die unzähligen anderen Inselbewohner: Seine Aussprache unterscheidet sich von der Aussprache der anderen. So verdreht er Silben, vertauscht Laute und ganze Wortteile. Über seine Wortverdreher wie „Flimmschwosse“ und „Scheisolle“ kugeln sich seine Kumpels vor Lachen die Eisberge hinunter. Je länger sie sich darüber amüsieren, umso mehr wird aus dem kleinen lebensfrohen Pinguin ein trauriger und einsamer Ginpuin – so nennen ihn die anderen. Doch Ginpuin trägt eine große Portion Mut in sich und so macht er sich auf eine weite Reise, um etwas zu finden, was sich völlig von dem unterscheidet, was er kennt, eben ganz anders ist. Und es gelingt ihm. Doch schon bald plagt ihn das Heimweh und die Sehnsucht nach seiner Insel und deren Bewohnern, die wiederum inzwischen auch wehmütig ihren Ginpuin herbeisehnen. So kommt es zu einem liebevollen und fröhlichen Wiedersehen, das die Pinguine das Anderssein des kleinen Abenteurers mit ganz anderen Augen sehen lässt.

 

Liebevoll – das ist das erste Wort, was beim Lesen dieses wunderschönen Buches im Kopf aufblitzt. Schon die beiden sich umarmenden Pinguine auf der ersten Seite kündigen an, was sowohl der Text von Barbara van den Speulhof– eine gelungene Mischung aus warmherzigen und humorvollen Formulierungen – als auch die Illustrationen von Henrike Wilson fortsetzen. Die lustigen Wortschöpfungen des Ginpuin sind wohldosiert, lösen bei kleinen Zuhörern große Erheiterung aus und regen zu eigenen Quatschwortkreationen an. Aber auch die leise Seite, das Nachdenkliche kommt bei den Kindern an, nicht nur bei denjenigen, die sich in den Lautverdrehern wiederfinden, weil sie durch eigene sprachliche Unsicherheiten dieses Gefühl des Anderssein nur zu gut kennen. Barbara van den Speulhof ist es gelungen, ohne erhobenen Zeigefinger auf die Bedeutung des verständnisvollen und toleranten Miteinanders hinzuweisen. In einer bezaubernden Art und Weise schafft sie es, im Vorleser ein Gefühl der Wärme auszulösen, das er unbedingt an seine kleinen Zuhörer weitergeben möchte. (M.R.)

 

 

Ginpuin

von Barbara van den Speulhof. Mit Bildern von Henrike Wilson

Coppenrath (2012)

14 Bl.

fest geb.

MedienNr.: 365572

ISBN 978-3-649-61054-0

ca. 12,95 € Preis ohne Gewähr