Rezension

„Nichts los im Wald“  von Mireille Messier mit Illustrationen von France Cormier, übersetzt von Ina Kronenberger

 

 

Inhalt

Eine Familie unternimmt einen Campingausflug und kaum liegen alle nach einem gemütlichen Lagerfeuer in ihren Schlafsäcken im Zelt, beginnt der Junge damit, seinen Vater mit Fragen zu löchern, was die Tiere im Wald in der Nacht denn so alles anstellen.

Mit der Antwort des Vaters „Die machen nichts Besonderes“, gibt sich der wissbegierige Kleine nicht zufrieden und hakt mit seinen Fragen zu verschiedenen Tiere nochmals nach. Aber der Vater ist sich sicher, dass alle Tiere, nach denen der Sohn fragt, entweder irgendwo schlafen oder zumindest tatenlos irgendwo herumlümmeln.

Nichtsahnend, dass eben genau diese Tiere sich mucksmäuschenstill über die vor dem Zelt liegengebliebenen Gegenstände der Familie hermachen, um ein herrliches Chaos anzurichten.

So flattert schon bald die Unterwäsche am Hirschgeweih, liefern sich die Stachelschweine mit Kamm und Bürste einen munteren Fechtkampf. Die Biber haben alle Zähne voll zu tun, um aus Buntstiften eine tolle Konstruktion zu errichten und die Frösche machen eine gute Figur als Wellenreiter auf liegengelassenen Büchern.

Ein Riesenspaß für die Tiere und eine große Überraschung für die Familie, als si  am Morgen sieht, dass der Vater so überhaupt nicht richtig lag mit seiner Annahme „Nichts los im Wald“.

 

Schon der Einstieg in das Buch „Nichts los im Wald“ mutet an wie eine Einladung zur Wortschatzerweiterung zum Thema Zelten, sind doch Begriffe wie Antimückenspray oder Iso-Matte bildlich dargestellt.

Nach einem fast zurückhaltend gezeichneten Einstieg geht es dann jedoch mit voller Zeichenkraft los: Während man noch den Blick auf die Familie gerichtet hat, die gemütlich am Lagerfeuer den Abend ausklingen lässt, kann man auf den zweiten Blick schon eine ganze Reihe verwundert wirkender Tiere entdecken, vor den Augen der Familie gut versteckt.

Und dann beginnt der Spaß: Es besteht zwar auf den dann folgenden Seiten eine Bild-Text-Parallelität, allerdings eine, die in ihrem Widerspruch und dem zusätzlichen Wortwitz für gute Laune sorgt.

Grandios, wie es der Illustratorin France Cormier gelungen ist, die Unterhaltung von Vater und Sohn so wirken zu lassen, als ob man die Worte tatsächlich im Hintergrund aus dem Zelt kommend zu hören scheint. Immer, wenn der Vater dem Sohn wissend erklärt, dass die Tiere gerade so gar nichts machen, beweisen die Tiere im Vordergrund genau das Gegenteil und haben lautlos ihr Vergnügen. Dabei ist die Mimik der Tiere in einer ganz entzückenden Weise gezeichnet.

Das Faszinierende beim Lesen und Anschauen dieses Buches ist, dass man sich im Nu als Verbündeter  der Tiere fühlt und mit ihnen über den Vater schmunzelt, der über die Tierwelt nicht viel zu wissen scheint. Dieses „bei - und - mit - den – Tieren – sein" ist es auch, was einen als Leser*in fast den Finger zu einem „Psst“ an die Lippen legen lässt, um ja nicht die Tiere und ihr amüsantes Treiben zu verraten.

 

Nicht nur das Format des Buches (24,3 x 34 cm) ist perfekt für ein Dialogisches Lesen in der Gruppe geeignet, sondern auch die teilweise wimmelbuchartigen Illustrationen laden zu einem Gespräch über den Übermut der Tiere und nicht nur darüber ein.

Das Buch ist ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Trio: sowohl die Autorin Mireille Messier und die Illustratorin France Cormier scheinen wunderbar aufeinander abgestimmt, als auch Ina Kronenberger, die das Buch ins Deutsche übersetzt hat, fügt sich leichtfüßig in dieses Trio ein.

Ein rundum empfehlenswertes Buch mit garantiertem Lesespaß für die ganze Familie. 

(M.R.)

 

"Nichts los im Wald"

von Mireille Messier, illustriert von France Cormier

übersetzt aus dem Französischen von Ina Kronenberger

 

Verlag: mixtvision (2020)

ISBN 9783958541598

40 Seiten

ab 4 Jahre

Bildquelle: © mixtvision